Karl-Heinz: Null Bock auf Bahn

Es geht nach Freiburg und die Bahn zieht wieder einmal alle Register. Die Eurobahn nach Düsseldorf bleibt mitten auf der Strecke stehen. Zugegeben, an einem idyllischen Ort oberhalb eines Bachlaufes fernab jeglicher Zivilisation. „Neuss, Hauptbahnhof“ verkündet die automatische Ansage. Schön wär’s. Und verlockend, hier auszusteigen um eine Wanderung durch frostige Auen zu beginnen.

Aber schon zehn Minuten später geht’s weiter. Den ICE in Düsseldorf hätte ich damit wohl knapp verpasst. Aber der kommt aus Amsterdam, ist dort schon verspätet gestartet, wurde in Oberhausen durch Bauarbeiten und hinter Duisburg von „Personen im Gleis“ ausgebremst und hat nun 25 Minuten Verspätung. Wie alle anderen Fernzüge auch. Regionalzüge bringen es auf bis zu 50 Minuten.

Neben mir ein älteres Ehepaar aus dem Schwabenland. Beide komplett in traditionell-bayerischer Montur. Dunkelgrüne Lodenmäntel. Mit qualmender E-Zigarette und umgehängter Laptoptasche eine durchaus selbstbewusste Interpretation dieses traditionsreichen, alpenländischen Kleidungsstückes.
On top mit Federn (vom Auerhahn?) dekorierte, graue Filzhüte.

Passen würde dazu noch ein Dackel. Doch stattdessen führen sie einen so genannten Kampf- oder Risikohund mit sich: Karl-Heinz („Arg luschtig, gell!?“).
Ein rabenschwarzer, leicht überfütterter Staffordshire Bullterrier. Laut „Hundemagazin“ furchtlos, zuverlässig, intelligent, anhänglich, unerschrocken, loyal und tapfer.

pit bullNutzt jetzt aber alles nix. Weil: der ICE nach „Stuggert“ (Stuttgart) fällt aus. Während Frauchen und Herrchen verzweifeln, tut Karl-Heinz so, als ginge ihn das gar nichts an. Liegt, wie tot, platt auf den kalten Steinen. Macht aber nix. Weil: er hat ein rot-schwarz kariertes Stepp-Mäntelchen an.

Meiner Empfehlung folgend, wollen sie mit einem RE, der grad einfährt, zunächst nach Köln Hauptbahnhof und von dort weiter in die Heimat. Wer meiner Empfehlung nicht folgen will, ist Karl-Heinz. Frauchen blockiert inzwischen die letzte noch geöffnete Tür im Zug: Karl-Heinz bewegt seine geschätzt 20 Kilo nicht vom Fleck. Da kann Herrchen noch so sehr an der Leine ziehen und mit der Aussicht auf eine Belohnung in Form von Leckerli locken.

Als ich schon glaube, dass das Tier den Weg über’n Regengebogen der Fahrt im überfüllten RE vorgezogen hat, näselt der Lokführer über Lautsprecher im Singsang eines Autoscooter-Betreibers: „Letzte Chance einzusteigen. Wir müssen lohos!“ Und Karl-Heinz springt wie von der Tarantel gestochen auf und hetzt hinein in den Waggon. Herrchens Kommentar: „Blöder Halbdackel!“

Und während ich dem abfahrenden RE hinterher blicke, stelle ich mir die Durchsage im Zug vor: „Wir erreichen Köln-Hauptbahnhof mit einer Verspätung von voraussichtlich fünf Minuten. Grund dafür ist die Sturheit eines rot-schwarz-kariert ummantelten Staffordshire Bullterrier namens Karl-Heinz!“

smiley

Mein ICE ist letztendlich 25 Minuten von der fahrplanmäßigen Abfahrt entfernt und Köln Hauptbahnhof verlassen wir sogar mit 45 Minuten Verspätung. Zum Glück muss ich nirgends umsteigen und habe mit einem zeitlichen Puffer geplant. Den Termin in Freiburg zu verpassen, wäre schon unangenehm.

Heute, am 21. November, ist in der Stadt, die ich so sehr mag, Weihnachtsmarkteröffnung. Muss das wirklich sein? Nenne mir einen einzigen Grund, den nicht ganzjährig zu betreiben? Ich finde es einfach nur traurig.


Rückfahrt an einem Freitag Morgen. Herrenlose Koffer, hemmungslose Schweizer, kopflose Omas (2 Zugteile, jeweils umgekehrt gereiht), hirnlose Fußballfans und gnadenlos geduldig-freundliches Personal:

Nach 4 Stunden Fahrt 3 Minuten Verspätung.

Geht doch, Deutsche Bahn!

Abends noch Weiterbildung in Sachen Schienenverkehr in der „heute-Show“. Herrlich!

Hier zum Thema Bahn mal klicken.

Die komplette Sendung gibt’s hier (bis zum 20.02.2020.)

Ein Gedanke zu “Karl-Heinz: Null Bock auf Bahn

  1. Hallo „Prellbock“ muß demnächst nach Bad Waldsee, mit Rollator. Ein bischen umständlich. Wenigstens 2-3 mal umsteigen. Na, Lust mitzufahren ? Gerda

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