Independence Day

Auf nach Frankfurt.

Hinfahrt:

Der ganz normale Bahnsinn!

Vollbremsung vor der Rheinquerung, weil ein südosteuropäisch anmutender Zeitgenosse auf dem gleichen (Schienen-) Weg wie unser Zug von Neuss nach Düsseldorf kommen will.

Vollsperrung vor’m Drogeriemarkt im Hauptbahnhof der Landeshauptstadt, weil dort ein ziemlich bunter und ziemlich großer Rollkoffer herrenlos herumsteht. Vielleicht auch damenlos; man weiß es nicht.

Und voll bekloppt die Idioten, die den ICE nach München mit Steinen beworfen haben, weshalb der jetzt auf Gleis 16 von einem halben Dutzend Polizeibeamter begutachtet und schließlich evakuiert wird.

Mein ICE kommt pünktlich. Das junge Ehepaar mit zwei Fahrrädern und einem extrabreiten Fahrradanhänger mit zwei Kindern drin kommt dagegen kurz vor knapp. Nachdem sie die unfreundlich geraunzte Frage des noch unfreundlicheren Bahnmitarbeiters „Haben Sie reserviert und haben Sie auch ein Ticket für den Anhänger?“ zweimal mit „Ja“ beantwortet, ihr Gepäck abgeschnallt, die Kinder ausgeladen, den Anhänger abgekoppelt, ihn auseinander montiert und alles zusammen im Fahrradabteil des ICEs verstaut haben, hängen wir schon mit 12 Minuten der Abfahrtszeit hinterher.

Ok, 12 Minuten, finde ich, sind jetzt nicht soo schlecht für den gesamten Vorgang.

Frankfurt Panorama


Rückfahrt:

Heute feiert man in den USA den Unabhängigkeitstag. Ich wäre auch gerne unabhängig. Von der Bahn.

Weil: Rückfahrt in der „rollenden Sauna“, wie der überdrehte, vielleicht auch überhitzte Bahn-Servicemitarbeiter unseren Wagen 22 scherzhaft bezeichnet. Ausfall der Klimaanlage und wegen Überfüllung keine Möglichkeit, den Platz zu wechseln.

caratMan verteilt das gute „Carat Naturelle“, 0,5 l, in das man heute auch einen Teebeutel hängen könnte. Eine Fahrpreiserstattung wäre mir lieber. Stattdessen fließt der Schweiß in Strömen und bringt so manches Deo zum Versagen. Durchnässte Hemden, hochrote Köpfe, Menschen in Kollaps-Nähe.

Das Hemd meines Nachbarn klebt am Körper. An meinem. Erst dezentes Schubsen lässt ihn zur anderen Seite kippen.

 

Derweil trocknen Lippen und Mund immer mehr aus und ich gleite hinüber in einen halb-komatösen Zustand. Die Bahn hat ein neues Bonussystem eingeführt: Für jede Minute Verspätung wird ein Schnaps gereicht. Ich wähle Ouzo. Als ich in Köln aussteige, habe ich einen griechischen Akzent und tanze dann auf Bahnsteig sieben mit allen anwesenden Bettlern, Taschendieben und einer durchreisenden Gruppe indischer Ordensschwestern Sirtaki. Jappa!

Die resolute Bahnmitarbeiterin weckt mich mit den Worten: „Ah ja, ich sehe schon: Sie haben online eingecheckt. Gute Fahrt noch!“

In Köln schleppen wir uns aus dem Zug. Es ist angenehm kühl, was eigentlich nur bedeuten kann, dass nicht die Klimaanlage schlecht, sondern die Heizung zu gut funktioniert.

Zum Glück dauerte die Fahrt nur 1:22 Std; die übliche Verspätung bereits eingerechnet.

Der Anschlusszug wird trotzdem erreicht, macht in unserem Wagen aber komische Geräusche. Ein permanentes Zischen kommt aus dem Lüftungsgitter direkt über der Treppe, die auf’s Oberdeck führt. Gas kann’s nicht sein. Wasser wohl eher auch nicht. Also halten alle lieber still. Bevor’s noch einen technischen Halt auf freier Strecke gibt. Und die arktische Kälte, die das Zischen produziert, ist erstmal auch nicht schlecht.

Hielte der Zug, würden wir das allerdings eh nicht merken. Der RE kriecht mehr als dass er fährt. Noch’n bisschen langsamer und wir würden rückwärts fahren. Auf’s Klo müsste ich auch. Aber die sanitären Anlagen (schreib‘ ich das jetzt wirklich?) sind bis auf eine alle geschlossen. Und dort scheint es erst vor kurzem eine Fäkalexplosion gegeben zu haben. Nein Danke!

In der Vitusstadt komme ich mit nassem Hemd, durchgefroren und mit gefährlich voller Blase an. Ich merke mal wieder: Mir kann man auch gar nichts recht machen!

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