Von Wendungen und Trennungen

Gerade war die (Bahn-) Welt noch in Ordnung. Und dann das in Düsseldorf:

„Mein“ ICE mit der Nummer 623 wird mit 10 Minuten Verspätung angezeigt.

Daraus werden zwanzig.

Dann die Info: „Zug fällt aus“. Die Äpp meldet einen technischen Defekt an einem anderen (!) Zug.

Danach wird’s lustig, jedenfalls für Vielfahrer und Blogger. Auf den über den Bahnsteigen 15 und 16 parallel angebrachten digitalen Hinweistafeln laufen die Infotextbänder ein Wettrennen gegeneinander.

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Zunächst: Der ICE 623 (von Essen nach München) fährt heute auf Gleis 15 statt auf 16 ein; fällt aber aus. Jetzt mit der Begründung, selbst defekt zu sein.

Der ICE 105 (von Amsterdam nach Basel) verkehrt heute abweichend auch auf Gleis 15; hat aber 20 Minuten Verspätung.

Dann: Der ICE 623 wird mit dem ICE 105 vereinigt und bekommt dessen Zugnummer.

Schließlich wird der ICE 623 komplett gestrichen.

Es fährt ein der ICE 105. „Reisende, die im ICE 623 nach München fahren wollen, steigen bitte in den hinteren Zugteil in den Abschnitten A bis C,“ hallt es über die Bahnsteige.

Die Menschenmasse stürzt in die angekündigte Richtung.

Blöd nur: Der Zug hat gar keinen hinteren Zugteil.

„Bitte beachten Sie, dass der hintere Zugteil hier angekoppelt wird.“

Tatsächlich passiert das auch. Im angekoppelten ICE 623, den ich defekt und leer wähnte, sitzen Menschen!?  Wo mögen die herkommen? Bahn-Zombies? Seit Wochen vergessen? Pendelnd im Nirwana zwischen Winter-und Sommer-Fahrplan?

Sie reagieren jedenfalls kaum auf Ansprache. Die Platzreservierungsanzeige zeigt irgendwas an. Ist das vielleicht der oft besungene Zug nach Nirgendwo?

Das Chaos verschärft sich zusätzlich durch den holländischen, für beide Zugteile zuständigen Zubegleiter.

kabelsalatNachdem eine Kollegin angekündigt hatte, dass der Zug in Frankfurt/Main-Flughafen-Fernbahnhof, geteilt und unser Zugteil von 623 in 2911 (Zitat:) „umgetauft“ werde, sorgt der Holländer wieder für größtmögliche Unsicherheit bei den Reisenden, indem er falsche Wagennummern nennt und sogar behauptet, wir würden heute über Wolfsburg fahren.

Besonders hart trifft es die freundliche Service-Mitarbeiterin mit der Pump-Kaffeekanne, die am Kölner Hauptbahnhof einer weder Deutsch noch Englisch sprechenden italienischen Großfamilie in die Hände fällt, deren Mitglieder wissen wollen, welcher Zugteil nun nach Mannheim fährt. Da ich ganz sicher bin, dass es der, in dem ich sitze, nicht ist, muss ich mich einfach einschalten, die Service-Mitarbeiterin mit der Pump-Kaffeekanne korrigieren und vor der italienischen Großfamilie ganz schlecht aussehen lassen.

Bis die dann lärmend mit ihrem Dutzend Koffern die Zugteile gewechselt haben, haben wir weitere fünf Minuten Verspätung obendrauf.

Ach ja; ich vergaß zu erwähnen, dass wir außerplanmäßig über Köln-Messe-Deutz und Köln-Hauptbahnhof fahren. Köln-Messe-Deutz unplanmäßig für den ICE 105 und Köln-Hauptbahnhof unplanmäßig für den ICE 623. Offenbar weiß das an den erwähnten Bahnhöfen aber niemand -jedenfalls die Reisenden nicht- und „mein“ Zugteil bleibt angenehm leer.

Nachdem der Holländer seine frühere Info korrigiert hat (indem er genau dieselbe wiederholt) entschuldigt sich die deutsche Zugbegleiterin für das Chaos -und büßt damit wohl alle beruflichen Aufstiegschancen bei der Bahn ein.

Das alles ist sooooo witzig.
Für mich.
Nicht für diejenigen mit den wirklich wichtigen Terminen.
Flüge sind weg, Gerichtstermine geplatzt, Rendezvous im Eimer, …


Rückfahrt.

Der von mir gebuchte Zug: 45 Minuten Verspätung. Bedeutet: Anschlusszug wäre weg.

Ich erwische noch den, der eine Stunde früher verkehrt. Zeit genug, in Frankfurt in den Zug nach Essen zum Wechseln. Der kommt auch pünktlich, aber das Geräusch, das er beim Hochfahren der Turbinen (?) von sich gibt, klingt nicht gut.

Mehrere (Fehl-)Versuche, einige Entschuldigungen und genau 43 Minuten später kommt es dann zur Tragödie: „Wir müssen uns leider vom 30er Zugteil trennen!“
Irgendwie passten sie wohl nicht zusammen, die beiden.
Jetzt fahren sie unabhängig voneinander. Der eine als 722, der andere als 2708.

Immerhin noch in dieselbe Richtung. Gut zu wissen und irgendwie beruhigend.

Als es dann tatsächlich losgeht haben wir nur noch 10 Minuten Vorsprung vor dem ursprünglich von mir anvisierten ICE.

Fazit der Woche: 2 Reisen, 4 funktionierende, 2 defekte Züge. Pünktlichkeitsquote: Null!

 

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