Das Glückskeks-Desaster

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Frankfurt/Main Hauptbahnhof

Abends vietnamesisch essen. Mit der Rechnung wird obligatorisch Glückskeks an Pflaumenschnaps serviert.

MEIN GLÜCKSKEKS IST LEER!

Kein Zettel! Keine tief schürfenden Botschaften wie „Ein einfacher Zweig ist dem Vogel lieber als ein goldener Käfig.“ oder Weisheiten wie „An Habe gewinnen heißt an Sein verlieren.“ oder wenigstens „Ich werde in einer Glückskeksfabrik gefangen gehalten. Ruf die Bullen!“ Noch nicht einmal ein leerer Fetzen Papier!

Ist das überhaupt schon mal jemandem passiert?

Kann man das beim Kellner reklamieren? Gilt das jetzt einfach nur als „Niete“ wie an der Losbude auf’m Schützenfest oder hat das gar eine besondere Bedeutung? Winken Glück und Wohlstand schon hinter der nächsten Straßenecke? Oder lauern da bereits lebensbedrohliche Gefahren? Obwohl: abends um 20:00 Uhr lauert in Fulda gar nichts mehr.
Oder ist der vietnamesische Gastronom an sich eher von der lustigen Art, der seine Gäste auch gern mal auf den Arm nimmt? (Bisher war ich eher chinesisch, allerhöchstens mal mongolisch und in Buffetform unterwegs)?
Eventuell herrschte in der Werkstatt jener Justizvollzugsanstalt, wo die Zettel üblicherweise von flinken Fingern lebenslänglich Inhaftierter in das Gebäck gepfriemelt werden, einfach nur Glückskekszettel-Mangel.

Das Rätsel um das Vakuum im Süßgebäck beunruhigt mich. Noch am Tisch zücke ich das Handy, um die Konsequenzen der rätselhaften Botschaft zu googeln. Über 50.000 Treffer! Wow! Das Leere-Glückskeks-Problem beschäftigt offenbar und unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit die Menschheit. Sogar die katholische Kirche hat sich damit schon auseinandergesetzt. Jetzt nicht auf höchster Ebene, aber immerhin. Hier nachzulesen.

Was soll ich sagen? Genau hier, im Theologischen, finde ich die Deutung, die ich für meinen Seelenfrieden heute Abend am passendsten finde:

„Wenn du ganz leer bist, dann kann sich das Glück breitmachen“.

Große Worte! Fast will mir der Atem verschlagen.

Ein paar Bierchen später relativiert sich der Spruch allerdings wieder: Bei mir macht sich das Glück auch dann gelegentlich breit, wenn ich voll bin.

Sei’s drum: Die Bahn kümmert die Weisheiten des Konfutius ohnehin wenig.

Die Railway-Work-Balance meiner Rückreise aus Fulda:

Mein ICE 599 erreicht Fulda mit 15 Minuten Verspätung (Polizei-Einsatz im Zug). Zum „Glück“ (was die schon im Zug Sitzenden sicherlich anders sehen), hat der ICE 626, den ich in Frankfurt erreichen muss, 20 Minten Verspätung. Grund: Technische Störung am Zug. Ich frage mich, ob jemand in ein Flugzeug steigen würde, wenn der Flug als „verspätet wegen technischer Störung“ im Lufthansa-Navigator (oder wie die Äpp bei denen heißt) angekündigt würde.

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Kleine Entschädigung für das Verspätungs-Chaos. Abendstimmung in Frankfurt.

Fest steht, dass in Düsseldorf alle möglichen Anschlusszüge weg sein werden. Die Äpp rät: Zugwechsel in Köln-Deutz; was dann gar nicht so einfach ist. Der vordere Teil des ICEs, kommt nämlich weit außerhalb des Bahnhofs zum Stehen. Mit mir bahnen sich die Massen bahnen auf dem engen Bahnsteig ihren Weg Richtung Ausgang. Derweil wird im hinteren Teil verkündet, dass der Zug hier geteilt werde und alle Reisenden in den vorderen wechseln müssen. Die Kollision der Völkerwanderungen ist unvermeidlich. Es wird gedrängt, geschubst, geflucht, gestolpert und gestürzt. Den RE7 nach Neuss erreiche ich mit knapper Not.

Gedanken um die knappe Umstiegszeit in der Neil-Diamond-Stadt („Beautiful noise“; Scherz) brauche ich mir schon auf der Hohenzollernbrücke nicht mehr zu machen. Für die 700-Meter-Strecke bis Köln-Hbf brauchen wir 16 Minuten.

Dann in Neuss dasselbe Fahrplan-Desaster wie offenbar überall in Deutschland an diesem Nachmittag. Der Bus in der Vitusstadt Richtung Heimatdorf ist natürlich auch schon weg.

Da fällt mir wieder mein leerer Glückskeks ein.

glückskeks

 

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