Slower Older Smarter

ddorfZiel ist heute Fulda. Beginn der Veranstaltung am Nachmittag. Das klingt erstmal ganz entspannt. Mittlerweile bin ich auf der Lebensentwicklungsstufe „SOS“ angelangt. Slower-Older-Smarter. Da wird ein Reisestart, der nicht mitten in der Nacht liegt, als äußerst angenehm empfunden. Nach Karnevalssitzung in Köln, Superbowl-Finale und Pokalfight BVB – Bremen bis kurz vor Mitternacht fehlen da sowieso noch ein paar Mützen Schlaf.

mcdoDer Bus in die Vitusstadt ist um die Zeit schülerfreie Zone. Das Ticket einfache Fahrt kostet jetzt übrigens sechs Euro.

So viel wie bei Mäkkes zwei große Milchshakes mit je 325-329 kcal, die immerhin mit 4,42 Sternen bewertet werden, was ich nicht so ganz verstehe, weil die Milchshakemaschine meistens kaputt ist, jedenfalls wenn ich mal dahin gehe, was aber auch total selten ist.

Der ÖPNV verdient sich heute jedenfalls keinen Stern. 15 Minuten Verspätung und unterwegs von einer Fahrscheinkontrollsturmtruppe geentert. Erwischt wird ein Gast aus Äthiopien -erst zwei Wochen im Land-, der zwar ein Ticket gekauft, es aber nicht entwertet hat. Sein Bitten und Flehen, ihm doch die 60 Euro Strafe zu erlassen, bleibt unerhört. Logisch, er ist im Unrecht, aber ein blödes Gefühl bleibt.

Voll wird’s dann im ICE.

Mein persönliches Highlight: Typen mit riesigem Überlebensrucksack auf dem Rücken, die sich durch die engen Gänge bumpern. Heute steigen gleich fünf solcher Backpacker ein. Über Frankfurt geht’s nach Kanada. Mit von der Partie ein etwa sechs Monate altes Baby, seiner jungen Mutter vor den Bauch geschnallt. Auf ihrem Survival-Sack oben drauf noch ein Kindersitz. So’n Ding für’s Auto. Die Mitglieder des Outdoor-Teams steigen drängelnd als erste ein, haben aber auch die ersten Plätze im Waggon reserviert. Die Folge: Passagier-Stau, der bis weit auf den Bahnsteig reicht und fünf Minuten Verspätung kostet. So ein Rucksack lässt sich im engen Gang eben nicht ganz so leicht vom Menschen trennen.

Ich sitze am „Vierer“ im „Familienbereich“. Das sind ein paar ganz normale Sitze, über denen so eine Art Flatterband angeklebt ist, auf dem „Familienbereich“ zu lesen ist. Erinnert mich irgendwie an Navy CIS: „CRIME SCENE – DO NOT CROSS“.

ortwin1Mir gegenüber das Baby. Wir sind uns gleich sympathisch. Der Kurze, Ortwin, schäkert unentwegt mit mir und brabbelt munter drauflos. Die ganze Reise kotze ihn an. Er wäre lieber zuhause geblieben. Aber ihn habe man ja nicht gefragt. Statt Lümmeln auf dem Lammfell sei jetzt eingequetschtes Abhängen an gestresster Mami angesagt. Und den Namen habe er sich auch nicht ausgesucht. Am schlimmsten aber sei dieser Sitz. Zum Verrecken gehe er da nicht rein. Und kreischt gleich mit 120 Dezibel los, als Mutti das Ding neben sich stellt und versucht, ihn dort hinein zu platzieren. Am Arbeitsplatz sollte man ab 85 Dezibel einen Gehörschutz tragen. Da die Bahn sowas aber nicht vorhält, kommt Ortwin ruckzuck wieder raus und zwinkert mir zu.

In Frankfurt/Main-Flughafen-Fernbahnhof (ich liebe dieses Wort) verabschieden wir uns mit einem High Five. Er habe leider noch kein Handy, sonst hätten wir sicher unsere Nummern ausgetauscht.

Eine Geschäftsreisende steigt zu, okkupiert den Fenstersitz am „Vierer“ und blockiert die Gangsitze indem sie ihren Trolley (Haltebügel ausgefahren) zur Barrikade umfunktioniert. Auf dem Tisch Notebook, Thermoskanne, Tageszeitung, Tupperdose mit knackfrischem Gemüse. Schuhe aus, Füße auf dem Sitz gegenüber und erstmal in der Firma anrufen; Home-Office-Atmosphäre kommt auf.

Früher hätte mich das aufgeregt. Heute: SOS. affe

Die Rückfahrt? Was soll ich sagen? Ich war auf die Minute pünktlich in der Vitusstadt. Auf dem Weg dorthin: Ein Informationswirrwarr sondergleichen. App, E-Ticket, Zug-Personal. Jeder mit eigenem Datenmaterial.

Kommunikativer Höhepunkt: „Also, wenn wir pünktlich sind, wartet Ihr Anschlusszug, wenn nicht: ist er weg.“ „Und wie erfahre ich das?“ „Sie haben doch eine Uhr. Außerdem bin ich nur vom Gastro-Team.“

In Düsseldorf verschwindet der RE nach Aachen komplett von der Anzeige. Fehlt nur noch die Durchsage: „Der RE 4 fährt heute von Bahnsteig 9 3/4. Reisende Richtung Aachen steigen in Hogwarts um in die Regionalbahn nach Aachen Hbf über Geilenkirchen, Übach-Palenberg, Herzogenrath und Kohlscheid.“

In dieser Woche starben Rudi Assauer und Rosamunde Pilcher. Beide werden im Himmel viel zu erzählen haben.

 

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