Wieder mal Bock auf Blog

Heut hab ich mal wieder Bock auf schreiben. Nach einigen fast schon vergessenen Corona-Jahren, einem klammheimlich und hinterrücks daher gekommenen Renteneintritt und drei Enkelkinder später packt’s mich mal wieder.

Ich referiere in Herzogenrath die Grundlagen des kirchlichen Arbeitsrechts – das müsste ich als Teilnehmer nicht haben. Sechsundvierzig Powerpoint Folien trockenster Materie und mich als Referenten. Na, Danke. Wenigstens hat sich nach einigen verregneten Wochen herrlichstes August-Wetter eingestellt. Schon die Anfahrt auf’m Mopped ist ein Genuss. Und die Teilnehmer lassen sich in Sachen Heiterkeit auch nicht lumpen. Jemand, den ich auf seinen völlig veralteten Gesetzestext (Ausgabe 2019!) anspreche, fragt allen Ernstes zurück, ob sich denn seit damals etwas am Text geändert habe.

Irgendwie schaffe ich es, die Beteiligten zu plätten und alle in den Feierabend zu verabschieden. Während die Geplätteten fast ausnahmslos nach Hause fahren, übernachte ich im jugendherbergsähnlichen Tagungshaus, verzichte aber -wohlwissend um die Resteverwertungskünste der Küche- auf’s Abendessen und mache einen Streifzug durch den Ort.

Nun ist es es so, dass sich in Herzogenrath die öffentlich dargebotene Kulinarik dadurch auszeichnet, dass es sie schlichtweg nicht gibt. Warum auch immer. Immerhin sind da zwei, drei Pizza-Dienste mit Stehtischen vor’m Laden, denen blöderweise eines gemeinsam ist, nämlich der Ruhetag, den sie offenbar immer dann spontan einschieben, wenn ich vor Ort bin. Und da ist eine griechische Imbissbude mit Tischen auf dem Gehweg, der genauso schmal ist wie das Geschirr avantgardistisch. Dafür sind die griechischen Gerichte genauso griechisch wie der Deutsche sich vorstellt, dass das griechisch ist oder sein könnte. Dafür hat die Lokalität keinen Ruhetag; ein Riesen-Standortvorteil in Herzogenrath.

Umso überraschter bin ich, dass ich heute „einen Inder“ entdecke, der sich bis jetzt erfolgreich vor mir zu verbergen wusste. Ich bin der einzige Gast, der Essen vor Ort in Anspruch nimmt. Der Lieferservice brummt allerdings, wie mir die ständig schlagende Tür zur Küche signalisiert. Die ehemalige Kneipe im 50er Jahre Stil wird phantasievoll mit ein paar geschickt positionierten Stühlen indisch bunt aufgepeppt. Das Klavier, das den Gang zum riesigen Saal im hinteren Bereich versperrt, gehört allerdings eher in einen Saloon und wurde sicher kurz vor der berühmten Schießerei am O.K.-Corall in Tombstone zum letzten Mal gestimmt und danach vermutlich von Frank McLaurys Witwe (eine geborene Schmitz aus Herzogenrath) eben hierher reimportiert.

Die Bedienung ist freundlich und das 0,4 l Bitburger, frisch vom Fass, kommt aus der Flasche. Die aber tatsächlich aus einem Kühlschrank kommt, der neben einem Holzfass steht. Insofern: Alles gut! Bleibt nur die Frage, wie es den in der Flasche verbleibenden 0,1 l Bitburger, frisch vom Fass, ergeht.

Das in einer tönernen Form brutzelnde Essen ist jedenfalls heiß und lecker und frisch und üppig und scharf und scharf und sehr scharf.

Hoffentlich macht das nichts mit meinem frisch operierten Trommelfell. Da war ein Loch drin und ist auch eine völlig andere Geschichte.

Als ich mir rasch ein zweites Bitburger, frisch vom Fass, bestelle, erfahre ich auch, was mit dem Rest aus der ersten Flasche Bitburger, frisch vom Fass, passiert: Er kommt als Basis ins zweite Glas.

Inzwischen fühle ich mich wie Will Smith in dem Film „Hitch – The Date Doctor“, der nach einem Allergieschock durch einen Drugstore torkelt und verzweifelt nach lindernder Medizin sucht. Ich glühe innerlich, die Umgebungstemperatur hat um 15 Grad zugelegt und ich glaube, tatsächlich besser zu hören.

Ok, ich gehe eigentlich fast nie „zum Inder“, kann also auch nicht beurteilen, ob das Essen im indischen Sinne gut war. Lecker war’s auf jeden Fall.
Enttäuschend eigentlich nur, dass es zum Abschluss keinen Glückskeks gab.